Mit dem Galletto ans Werk in Mandello

 

 Ganz wohl ist es mir noch nicht - ich will morgen das Treffen der Monfort Guzzi zum 15-jährigen Bestehen besuchen um anschließend 2-3 Tage mit dem Galletto an den Comer See zu fahren.

Der Galletto ist ein Motorroller von Moto Guzzi der das erste Mal 1950 mit 150 ccm vorgestellt wurde, nach nur 3 gebauten Modellen wurde er auf 160 ccm vergrössert, später dann 175 und am Schluss 190 ccm.

Ich besitze einen der 2.Serie mit 160 ccm und sagenhaften 6 PS - also ganz großes Kino ;-)

 




Dummerweise zickt der Kleine zur Zeit immer wieder - so ist zum Beispiel die Lichtmaschine (eine Schwunglichtmagnet Lichtmaschine wie an Mopeds z.B.) so schlecht dass ich immer Angst habe meinen eigenen Lichtstrahl vom Hauptscheinwerfer zu überfahren :-), weshalb ich ein paar Teile erneuert habe, tagelang über dem Schaltplan gesessen habe und heute noch Lade- und Lichtspule erneuert sowie die 25 W Scheinwerferbirne dirch eine LED Lösung ersetzt habe. Funktioniert soweit, nur sprang das Hähnchen (was Galletto auf deutsch heisst) nicht mehr an - nach 3 Stunden rumwerkeln (die Kiste ist enorm verbaut) habe ich das Zündschloss als Übeltäter entlarvt - die Masseverbindung zum Abstellen wollte nicht mehr trennen - kurzentschlossen abgeklemmt - jetzt muss ich ihn halt abwürgen - geht auch. 

 

Auch habe ich mich schon mal für die weite Reise mit aktuellem (würde eher zeitgenössischem) Kartenmaterial versorgt - die JRO Reisekarte Alpen und angrenzende Gebiete wird mich leiten - mit einem Erscheinungsdatum Mitte der 50er Jahre bestimmt topaktuell.

 


 

So - Morgen Nachmittag solls losgehen, mal sehen wie weit mich der Oldie bringen wird.

 

 

Samstag,  10.August 2024

Alle Bedenken über Bord geworfen, der Galletto ist gepackt, heute Abend wird mit den Montfort Guzzisti das 15 jährige Bestehen des Clubs gefeiert, die Anreise ist erstmal nicht allzuweit - im Hinterland von Hergensweiler an einer idyllischen Location. Zelt und Schlafsack sind mit dabei, es soll ja Sonntag früh nach dem Frühstück weitergehen - ich möchte dem Galletto das berühmte rote Werkstor in Mandello zeigen.



(Bilder: Gernot Stadler / https://guzzisti.at )

 

Das Fest entwickelt sich zu einem sehr netten Abend mit prima Grillgut, lecker Kuchen, tollem Bier und vielen interessanten und anregenden Gesprächen und Bekanntschaften - das Ganze zieht sich bis in den späten Abend, siehe auch hier:

https://guzzisti.at/club-events

Sonntag, 11. August 2024

Ausschlafen im Sommer im Zelt? Nee.... vor Allem nicht, wenn das Zelt frei auf der Wiese steht und die Sonne bereits um 8:00 draufknallt.... dann doch lieber aus dem Schlafsack kriechen und die Kaffeemaschine suchen....was dann auch wunderbar funktioniert hat.

Nach dem zweiten Kaffee gibts jetzt keine Ausrede mehr - das Gepäck muss auf den Galletto und dieser in Richtung Mandello bewegt werden - ich habe meine Klappe ja lange und weit genug aufgerissen.... 

Kurz nach 9:00 gehts dann auch los in Richtung Rheintal: Bregenz, Dornbirn, bei Götzis, zwischen Dornbirn und Feldkirch besuche ich noch einen alten Arbeitskollegen auf einen Sonntagsvormittagskaffee, bevor es über Liechtenstein in die Schweiz Richtung Chur geht.

Das Rheintal durchfahre ich normalerweise auf den Autobahnen A14 in Vorarlberg und über die A13 in der Schweiz - es ähnelt in seinem "Spannungsbogen" eher der Po-Ebene als den Alpen - da der Galletto aber nur in Ausnahmefällen die 70 km/h überschreitet - spare ich mir die Autobahn und quäle mich durch die kleinen Ortschaften am Strassenrand - die Gefahr zu schnell zu fahren besteht eh nicht.

Die gesamte gefahrene Route 

Hinter Chur kommt langsam der interessante Teil meiner Reise - hier geht es "nach Oben" - geplant ist über Lenzerheide, den Julierpass und den Malojapass runter nach Chiavenna und von da weiter an den Comer See zu kommen. Die Höhenprofile lassen etwas erahnen, wie der Kleine zu kämpfen zu haben wird.... mal sehen ob es klappt.....
 
 

Höhenprofil der gesamten Strecke

Um es kurz zu machen: es hat geklappt! Der erste Gang (von dreien) wurde zwar öfters als erwartet benötigt aber bei knapp 6 PS - ist das kein Wunder - vor Allem liegen die Gänge extrem weit auseinander - der erste ist oft zu kurz, im zweiten verhungert der Kleine dann, so dass ständig hin- und her geschaltet wird - übrigens mit nicht sehr schöner Geräuschkulisse.... krrrck.....

Beim Aufstieg ergaben sich einige sehr schöne Photomotive - auch als Beweisbilder - "das glaubt mir eh keiner dass ich mit dem Ding hier hochgefahren bin.." 

Nochmals kurz verschnaufen und Kraft tanken bevor es "aufwärts" geht - MCD in Chur
Kurze Rast am Heidsee bei Lenzerheide

"....das glaubt mir sonst keiner....." Passhöhe Julierpass
Passhöhe Malojapass - da der Maloja nur eine Südrampe hat - war die Abfahrt anschliessend spektakulär....


Kurz nach Chiavenna, fast schon am Comer See


Die Abfahrt vom Maloja in Richtung Chiavenna - praktisch nur bergab - war berauschend, ein GS Fahrer hat mir kurz den Vogel gezeigt als ich mit kratzendem Beinschild durch die Kurven gerauscht bin.....

Als ich gegen 18:00 in Mandello den Camping Continental erreichte und das Schild "complete" sah, kam mir kurz der Gedanke dass das nicht die ideale Jahreszeit ist um unvorbereitet nach Norditalien zu fahren.... na- macht nix - erstmal musste das Beweisphoto am berühmten roten Werkstor gemacht werden - leider gabs nur einen behelfsmässigen Selfie, am Sonntagabend war leider niemand unterwegs um mir die Kamera zu nehmen.....



Keine Viertelstunde später die Gewissheit - es ist eine sch.... zeit um ohne Reservierung am Comer See einen Campingplatz zu bekommen: der Camping Spaggia, wo wir sonst immer absteigen: na? - complete... In Lecco habe es noch einen Campingplatz sagte mir die freundliche Dame an der Reception und schrieb mir die Adresse auf. Gesagt getan - nix wie hin, ist aber ohne Navi mit dem Handy am Lenker gar nicht so einfach - beim Gebrüll des Galletto hört man keine Ansage und die Anzeige ist auch nicht immer gut zu sehen. Mitten im Stadtverkehr von Lecco dann das "Aus" - Nippel vom Kupplungszug ab.

Nicht gerissen - der Zug war im Zuge der Restaurierung des Galletto neu gekommen - nein - die Lötstelle des Nippels am Griff war so sch.... lecht dass der Nippel einfach runtergerutscht ist.

Da ich natürlich an Alles gedacht hatte - es waren neue Zündkerzen dabei, diverse andere Kleinteile aber ein Bowdenzug oder Nippelset, so wie ich es seit Jahren im Koffer der GS mit spazierenfahre - nee - da war nix zu machen. Nachdem ich schon ne halbe Stunde gefummelt hatte um die Reste wieder aus dem Griff zu bekommen - habe ich die Notbremse gezogen und meinen Schutzbrief aktiviert um mich abschleppen zu lassen. 
Das Ganze hat dann auch soweit gut geklappt, bei den Hotels gab es dasselbe Problem wie bei den Campingplätzen: erst nach längerer Suche konnte der italienische Vertragspartner meines Automobilclubs ein Hotel auftun dass noch ein Zimmer frei hatte - über den Preis möchte ich hier keine Worte verlieren.
Ich war immer noch guten Mutes das Problem am kommenden Tag aus der Welt zu bekommen - schliesslich ist Mandello del Lario nicht umsonst das "Mekka der Guzzifahrer"
 
Montag. 12.August 2024
 
"Chiusa per feria" - war so ziemlich das Einzige was ich am Montagmorgen finden konnte, nichtmal ein simpler Fahrradladen bei dem ich einen Zug mit Nippel hätte erstehen können war aufzutreiben.
Nachdem ich gefühlte 2 Stunden in der Warteschleife meines Automobilclubs verbracht hatte, zog ich die Notbremse, liess abklären ob der Galletto per Huckepack nach Hause gebracht werden könne und kaufte mir ein Zugticket nach Hause.

Dass mich auf der Reise nach Hause noch ein Magen Darm Virus erwischt hat, so dass ich nach Heimkehr am Dienstag Nachmittag über eine Woche flach lag ist ein anderes Thema, will hier ja einen Reise- und keinen Krankheitsblog schreiben.

Trotz dieser Wiedrigkeiten war es ein Erlebnis wie in den 50er Jahren die Alpen zu überqueren, so müssen sich unsere Väter gefühlt haben als sie das erste Mal versuchten mit Zündapp Bella oder Vespa nach Italien zu kommen um Reiseluft zu schnuppern..... 

Vielen Dank fürs Mitlesen, ich versuche hier in loser Reihenfolge meine Motorradtouren und auch andere Reisen zu beschreiben - wems gefallen hat, es gibt noch einen Reiseblog der im Juni 2024 anlässlich einer Rumänientour entstanden ist - jogiunterwegs.blogspot.com , weitere Berichte folgen sicherlich.
Ciao und bis dann
Jogi Wollenberg im August 2024






Kommentare

  1. Respekt 👍, wie eisenhart muss man sein um auf so einem Mopedchen mit ungezügelten 6PS die Alpen nieder zu kämpfen , ein Held 😁

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    1. Danke für die Blumen - aber kein "Held" eher ein Rentner mit viel Zeit.....aber im 1. den Julier raufkriechen ist auch nicht ganz mein Ding - ich wollte einfach mal die Erfahrung machen. Bin übrigens vor Jahren schon mal mit der Velosolex dieselbe Strecke rauf runter.... mit 0,65 PS.....das schaffe ich heute aber nicht mehr. Gruss Jogi

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  2. Hallo Jogi,
    habe deine beiden Reiseberichte gelesen. Tolle Bilder super Berichte. Schade, dass dich dein
    Göckelchen am Geburtsort im Stich gelassen hat.
    Ich hoffe dein Magen Darm ist wieder ok und vielleicht sieht man sich im September mal.
    Bin zur Zeit noch in Südfrankreich.
    Gruß
    Kurt

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